Warum ist freies Spielen wichtig?

Warum ist freies Spielen wichtig?

Eine Frage-und-Antwort-Runde mit Dr. Peter Gray, Professor für Psychologie

Wir bei Kamik wissen, dass das Spielen im Freien viel Spaß macht und für Kinder unglaublich wertvoll ist. Wir haben das Gefühl, dass Kindern heute die einfachen Freuden, Spiele und Abenteuer fehlen, die wir in unserer Kindheit im Freien genossen haben.

Wir glauben, dass eine breitere öffentliche Debatte über das Spielen im Freien erforderlich ist. Deshalb haben wir uns an einen Experten auf diesem Gebiet gewandt: Dr. Peter Gray. Mit einer Forschungsprofessur am Institut für Psychologie des Boston College hat Dr. Gray die letzten 20 Jahre damit verbracht, die psychologischen Auswirkungen des Spielens zu untersuchen. Wir baten ihn, uns einen Einblick in die Zusammenhänge zwischen Spiel und Lernen zu geben – und was wir tun können, um den Kindern mehr Zeit zum Spielen zu geben.

Was ist freies Spielen?

Viele Leute verwenden den Begriff „freies Spielen“, und ich denke, das ist eine gute Idee, damit die Leute wissen, worum es geht. In meiner Arbeit verwende ich nur das Wort „Spiel“, denn was man so als von Erwachsenen strukturiertes Spiel betrachtet, fällt bei mir nicht unter die Rubrik „Spiel“. Freies Spielen ist eine Form von Spiel, das von den Kindern selbst erschaffen wird. Sie entscheiden, was zu tun ist, verhandeln und schaffen die Regeln oft während des Spiels selbst. Mit anderen Worten, es ist eine sehr kreative Tätigkeit.

Warum ist das Spielen für Kinder wichtig?

Ich betrachte als die Hauptfunktion des Spiels für Kinder, dass sie lernen, wie man ein Erwachsener ist. Im echten Spiel gibt es keine Erwachsenen, die den Kindern sagen, was sie tun sollen. Daher können Kinder dadurch das Selbstvertrauen entwickeln, „Ich kann diese Probleme lösen. Ich muss nicht zu einem Erwachsenen laufen, um jedes kleine Problem zu lösen.“ Normalerweise gibt es im Leben von Kindern heute immer einen Erwachsenen, der ihnen sagt, was sie tun sollen, oder sie zumindest leitet, beschützt, ihre Probleme löst und so weiter. Beim Spielen können sich die Kinder davon befreien.

Gibt es auch Vorteile erwachsenenorientierter Aktivitäten?

Ich denke, erwachsenenorientierte Aktivitäten haben Vorteile, aber unsere Kinder bekommen viel zu viel davon. Als ich ein Kind war, bestanden 95 Prozent des Baseball-Spiels, an dem ich teilnahm, aus freiem Spielen, wie ich es beschrieben habe. Wir gingen auf ein unbebautes Grundstück, wo es noch andere Kinder ab, und spielten einfach Baseball; manchmal ließen wir auch Drachen steigen. Aber wir hatten auch eine strukturiertere [Baseball-Liga], die von der Stadt organisiert wurde. Diese war unabhängig von unseren anderen Spielpraktiken, und die Einzigen, die daran teilnahmen, waren Kinder, die das Baseballspiel wirklich liebten. Es gab uns die Möglichkeit, das Spiel auf eine formalere Weise zu betreiben, ein wenig mehr in der Art und Weise, wie unsere Helden in der amerikanischen und nationalen Liga es spielten. Ich denke, dass formale [erwachsenenorientierte] Sportarten sicherlich eine Funktion haben. Ich spielte Basketball und Baseball in der höheren Schule, und das hat mir Spaß gemacht. Aber wenn ich die Wahl gehabt hätte, eines von beiden aufzugeben, dann hätte ich sicherlich eher die formalen Spielarten aufgegeben als das freie Spielen. Ich habe beim freien Spielen viel, viel mehr gelernt.

Sie haben festgestellt, dass es in den letzten 60 Jahren zu einem enormen Rückgang des Spielens gekommen ist. Welche Auswirkungen hat das auf die Entwicklung der Kinder?

Eine der klinischen Befragungen, die seit Jahrzehnten mit schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen durchgeführt wird, ist die „Internal-External Locus of Control Scale“ [Fragebogen zur Erfassung generalisierter Kontrollüberzeugungen]. Im Laufe dieser Entwicklung, bei der Kinder immer weniger spielen, verlieren sie einen inneren Kontrollpunkt, der ihnen das Gefühl verlieh, „Ich kontrolliere mein Schicksal. Ich kann meine Probleme selbst lösen. Ich kann mein Leben in die Hand nehmen.“ Der äußere Ort der Kontrolle hingegen ist [das Gefühl] „Ich bin ein Opfer meiner Umgebung. Ich bin abhängig von Schicksal, Umständen und anderen Menschen, die das Sagen haben.“

Seit etwa 1960, als dieser Test zum ersten Mal regelmäßig eingesetzt wurde, zeigen junge Menschen immer weniger einen inneren Kontrollpunkt. Und wo entwickelt man einen inneren Kontrollpunkt, wenn nicht im Spiel? Denn dort haben die Kinder die Kontrolle.

Welche Schritte können wir unternehmen, um das Spiel wieder in das Leben unserer Kinder einzuführen?

Ich denke, eine Sache, die wirklich hilft, ist, eine Gemeinschaft anderer Eltern zu finden, die Ihre Überzeugungen teilen und den Wert des Spielens verstehen. Und um Spielmöglichkeiten zu organisieren, bei denen Eltern bestimmen: „Wir werden unsere Kinder einfach nur spielen lassen. Und vielleicht wird einer von uns in ihrer Nähe sein, wir können uns abwechseln, nur um sicherzugehen, dass keine Gefahr besteht.“

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Wie so viele Eltern teilt auch Kamik die Sorgen von Dr. Gray. Unsere Dachmarke soll Eltern ermutigen, mehr Raum für das freie Spiel im Freien zu schaffen.

Dieses Interview wurde überarbeitet und gekürzt.

 

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