Freies Spielen als integrative körperliche Aktivität

Wir hören immer öfter, dass sich Kinder nicht genügend bewegen.

Das gilt insbesondere für Kinder mit bestimmten Einschränkungen. Laut der neuesten Studie  über körperliche Aktivität von ParticipACTION, einer Organisation, die Kanadier ermutigt, durch körperliche Aktivität gesünder zu werden, erreichen nur 35% der Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren das empfohlene Pensum an körperlicher Aktivität, nämlich einer Stunde pro Tag. Dabei ist die körperliche Aktivität als wesentliches Element für die Entwicklung kognitiver Prozesse und für das Gleichgewicht von geistiger und emotionaler Gesundheit für alle Kinder bestätigt.

Was können wir den Kindern also anbieten, um sie tagsüber zu mehr Bewegung zu ermuntern? Welche Art von körperlicher Aktivität lässt sich an die Bedürfnisse, Grenzen und Träume jedes einzelnen Kindes anpassen und können in Betracht gezogen werden? Freies Spielen draußen! Die Forschung zeigt deutlich, dass Kinder, die sich im Freien aufhalten, sich mehr bewegen, weniger Zeit mit Sitzen verbringen und länger spielen. Es sei dabei daran erinnert, dass das Recht zu Spielen allen Kindern zusteht. Der Begriff der Inklusion, der der UN-Konvention (die dieses Recht enthält) innewohnt, spiegelt sich in einem der Kernprinzipien der Waldschule (und im Allgemeinen im Spiel) wider – nämlich der Wichtigkeit, die Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind.

Aber Vorsicht! Freies Spielen im Freien bedeutet weder sich gehen zu lassen, noch gelenktes Spiel, wie zum Beispiel das Fußballspiel. Beim Freien Spielen geht es einfach darum, dass Kinder entscheiden können, was sie spielen wollen. Damit sie erfolgreich sein können, sind vier wesentliche Elemente notwendig. Um ein integrativeres aktives Spiel zu erreichen, sollten wir daher diese vier Bedürfnisse unter Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse aller Kinder berücksichtigen. 

Hier sind die wichtigsten Elemente, die es zu beachten gilt um, wie von der Expertin Francine Ferland beschrieben, Platz für Freies Spielen zu schaffen, so wie diese Elemente bei The Lion and The Mouse verstanden und erlebt werden. Hier einige Ideen, die Ihnen helfen können, Freies Spielen in Ihrer Umgebung einfacher zu machen

Zeit

Spielen ist ein Prozess. Es ist daher notwendig, sich Zeit zu nehmen und dem Kind Zeit zu geben, diesen Prozess zu erforschen und erleben ohne das es unter Druck steht.

* Hat das Kind tagsüber Zeit sich nicht nur auf Lernen, sondern auch aufs Spielen zu konzentrieren, wo das Spiel wirklich als Prozess und nicht als Bildungsinstrument wahrgenommen wird?
Braucht das Kind zusätzliche Zeit, um sich einzuleben, sein Spiel zu bestimmen und abzuschließen?
Braucht das Kind eine klare Ansage, wie viel Zeit es zum Spielen hat, damit es seine Spielzeit voll genießen kann?

Platz

Typische Spielplätze bieten Auswahlmöglichkeiten für eine große Anzahl von Kindern, aber nicht für alle. Wenn die Plätze weniger strukturiert sind und mehr Flexibilität bei der Wahl der Aktivitäten erlauben, passen sie sich besser an die Interessen und Bedürfadmin-kamiisse der Kinder an, unabhängig davon, ob sie mit oder ohne Einschränkungen leben. Naturräume sind definitiv unsere Lieblingsspielplätze!

* Hat das Kind die Möglichkeit zu verschiedenen Spielplätzen zu gelangen?
Sind die Spielplätze und Wege zwischen ihnen zugänglich und sichtbar? Sind die Wege so, dass Kinder in verschiedenen Entwicklungsstadien und Kinder mit speziellen Bedürfnissen sich dort eigenständig bewegen können?
Ist das Kind aufgrund seines Alters auf eine bestimmte Zone beschränkt, auch wenn ein anderer Bereich besser seinen Bedürfnissen entsprechen würde?
Wird der Zugang zum Spielplatz durch das Wetter eingeschränkt?

Ausrüstung

Es ist unmöglich, eine Aktivität zu planen, die allen Kindern Spaß macht und für alle Kinder geeignet ist. Kinder sind alle einzigartig! Durch die Bereitstellung verschiedener Materialien und vielseitiger Gegenstände werden den Kindern Spielmaterialien angeboten, die sich sowohl ihren Interessen als auch ihren Bedürfnissen anpassen.

* Hat das Kind Zugang zu einer Auswahl von Spielmaterialien, die die Eigenständigkeit fördern?
Ist der Spielplatz reich an biologischer Vielfalt und erfühlbarem Material? Sind diese Materialien für alle Entwicklungsstufen der Kinder vorhanden und für alle Kinder zugänglich?
Kann sich das Kind bei Bedarf zurückziehen?

Spielpartner

Es ist unsere Aufgabe das Kind in seinem Spielprozess zu unterstützen.

* Spielt das Kind in einer sicheren Umgebung, die es ihm erlaubt, selbstbewusst gesunde Risiken einzugehen?
Braucht das Kind Unterstützung, um mit anderen Kindern Kontakt aufzunehmen und die ihnen gegebene Spielumgebung zu verstehen?
Stellen sich Erwachsene direkt gegen problematisches Verhalten, wie beispielsweise Diskriminierung?

Wenn man die vier Voraussetzungen für das freie Spiel betrachtet, versteht man, dass die Verantwortung bei uns liegt. Es ist an uns, diese Bedingungen auf integrative Art und Weise zu gestalten, damit alle Kinder frei spielen können!

 

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Quellen: 

Die Stellungnahme zum aktiven Spielen im Freien („L’Énoncé de position sur le jeu actif à l’extérieur“)
Das Bulletin 2018 über körperliche Aktivitäten der Jugendlichen bei ParticipACTION („Le Bulletin 2018 de l’activité physique chez les jeunes de ParticipACTION“)
Und wenn wir einfach spielen? („Et si on jouait?“) Das Spielen im Mittelpunkt der kindlichen Entwicklung („Le jeu au coeur du développement de l’enfant“)
Die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes in leicht verständlicher Sprache (Dieser Text ist keine offizielle Version der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes. Der offizielle Text ist verfügbar auf den französischsprachigen Seiten der UNICEF unicef.org/french/crc)

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